
Gelungene Selbstporträts
Ein gutes Selbstporträt gibt man freudig weiter: an Verwandte fürs Familienalbum, an Freund oder Freundin, um das Gesicht des anderen im Portemonnaie bei sich zu haben oder wenn man sich in einer Newsgroup mit eigenem Konterfei vorstellt. Für ein vorzeigbares Ergebnis sollte ein bewährter Fotograf Hand anlegen. Einer, der Muße hat, dem man vertraut, vor dem keine Unsicherheit aufkommt und der die eigenen Vorstellungen am besten kennt. Kurz: man selbst.
Jeder kennt vermutlich die Funktion des Selbstauslösers, der nach dem Auslösen zeitverzögert ein Bild knipst. Diese Sekunden genügen dem Fotografen, sich selbst in Pose zu werfen. Um sich aber perfekt ins Szene zu setzen, kann man einiges mehr vorbereiten.
Das Fotostudio im Wohnzimmer
Günstig ist, wenn man sich von einer natürlichen Lichtquelle bescheinen lässt. Nur selten wird man Fensterflächen wie in einem Atelier nutzen können, doch findet sich vielleicht in Küche oder Wohnzimmer ein geeignetes Plätzchen. Die Morgensonne etwa schmeichelt der Haut, insbesondere wenn sie hell, aber nur indirekt einfällt.
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| Damit seitlicher Schlagschatten nicht allzu stark auffällt, lässt er sich mit einfachen Reflektoren aufhellen, etwa durch helle Tücher oder Styropor. |
Wird der Kopf seitlich beschienen – was am Fenster meist der Fall ist – versinkt eine Gesichtshälfte im Dunkeln. Dem kann man mit einfachen Aufhellern abhelfen. Eine große Styropor-Platte oder ein Leintuch genügen bereits, das Sonnenlicht umzulenken.
Ein Stuhl und ein Stativ komplettieren das improvisierte Foto-Studio. Der Stuhl dient uns selbst als stabile Basis, das Stativ ist für eine sichere Positionierung der Kamera unabdinglich. Im Notfall kann man sie zwar auch auf einem Regal oder ähnlichem unterbringen, das ist aber äußerst schwer zu verrücken.
Belichtung in Theorie ....
Da man sich selbst und die Kamera recht still halten kann, ist bezüglich der Belichtung relativ viel Spielraum vorhanden. Hierbei sind drei Werte relevant: Blende, Lichtempfindlichkeit und Verschlusszeit. Solange man nicht allzu sehr zittert, reichen für Letztere beispielsweise 1/60 Sekunde aus. Diesen Wert wird man nur bei schlechten Lichtbedingungen unterschreiten, man muss sich um ihn also nicht weiter kümmern.
Falls möglich, sollte auch die Lichtempfindlichkeit niedrig gewählt werden, etwa ISO 100. Dies sorgt für ein geringe Körnigkeit der Aufnahme und damit für eine glatte, angenehme Bildoberfläche.
Der letzte Faktor, die Blende, regelt nicht nur die Filmbelichtung. Sie bestimmt auch, wie ausgedehnt die Schärfeebene ist. Beispielsweise könnte man einen hohen Blendenwert einstellen, etwa f16. Dann wird ein Raum von vorne bis hinten scharf erfasst inklusiver der eigenen Person. Allerdings wird man einen geringen Blendenwerten bevorzugen, um Hintergründe wie ein Tapetenmuster weich auszublenden. Zwar genügen dann kleine Bewegungen, um den Schärfebereich zu verlassen, aber der aufgestellte Stuhl verringert diese Gefahr.
... und Praxis
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| Die Handfläche dient dem Belichtungsmesser als Richtlinie. |
- Falls die eigene Kamera keinen gänzlich manuellen Modus besitzt, stellt man sie auf den Modus Blendenvorwahl. Dann wird die Belichtung eingestellt. Leider hat die Kamera niemanden, auf den sie diese vernünftig abstimmen kann, da das Hauptmotiv ja noch hinter der Kamera steht. Profis heben eine Graukarte vor den Belichtungsmesser, um präzise Werte zu erhalten. Wer es weniger genau nimmt, hält die eigene Hand etwa 20 Zentimeter davor – ein alter Fotografentrick, da sie ebenso wie die Graukarte Pi mal Daumen 18 Prozent des einfallenden Lichtes remittiert.
- Auf der Basis der gerade ermittelten Vorgaben dreht man den Blendenwert möglichst weit herunter, um einen verschwommenen Bildhintergrund zu erhalten, so dass nichts vom eigenen Gesicht ablenkt. Mit f5,6 oder weniger lässt sich das gut erreichen.
- Mithilfe des Zooms legt man den Bildausschnitt fest. Falls die Kamera eine gute Auflösung liefert, l ässt sich der Bildausschnitt auch nachträglich festlegen, indem das Portät am Computer beschnitten wird.
- Zuletzt stellt man auf die Stelle scharf, wo das eigene Gesicht später platziert wird. Manuell könnte der Fokus nach Augenmaß eingestellt werden, doch einem Autofokus fehlt jeglicher Anhaltspunkt. Ein im Vergleich zum Hintergrund kontrastreicher Gegenstand hilft ihm weiter, etwa ein Kleiderständer, Teddybär oder was sonst greifbar ist.
Startschuss für den Selbstauslöser
Zum Finale wird der Selbstauslöser aktiviert und man kann zum Stuhl springen. Dort angekommen wird allerdings der fehlende Gegenüber bewusst. Er würde uns sogar mit dem Spruch vom Vögelchen oder "Sag mal Cheese" ein Lächeln abringen oder den Blick lenken.
Schon mit einigen einstudierten Posen kann man Abhilfe schaffen. Ein klassischer Vorschlag wäre, sich schräg hinzusetzen und den Oberkörper nach vorne zu drehen. Das schafft etwas Spannung und ist in jedem Fall der Frontalansicht vorzuziehen.
Tipp Statt zwischen Kamera und Stuhl hin- und her zu hüpfen, gibt es elegantere Aufnahmemöglichkeiten. Mit einem ausreichend langen Kabelauslöser lässt sich zumindest ein Foto nach dem anderen schießen. Umfangreichere Möglichkeiten bieten eine drahtlose Fernsteuerung oder die Anbindung an den Computer. Details hierzu sind im Archiv unter der Überschrift "Kameras fernsteuern" zu finden. |